Die erneuten Berichte über eine weitere Verschiebung der Inbetriebnahme von Stuttgart 21 markieren keinen Einzelfall, sondern stehen exemplarisch für die Entwicklung eines Projekts, dessen Probleme seit Jahren sichtbar sind.

„Stuttgart 21 hat sich zu einer verkehrspolitischen Katastrophe entwickelt. Viele der heutigen Schwierigkeiten waren absehbar. Dennoch wurden Warnungen ignoriert und kritische Stimmen mit Scheuklappen beiseitegewischt“, erklärt Philip Köngeter.

„Statt sich weiter an alten Narrativen festzuklammern, ist jetzt eine ehrliche Bestandsaufnahme notwendig. Die Realität lässt sich nicht länger überkommunizieren.“

Jetzt geht es um Schadensbegrenzung

Für Köngeter steht fest, dass die politische Debatte neu ausgerichtet werden muss.
„Die entscheidende Frage ist nicht mehr, wie man das Projekt verteidigt, sondern wie man den entstandenen Schaden begrenzt und verlässliche Mobilität sicherstellt.“

Schienenersatzverkehr braucht dauerhaft stabile Takte

Die Auswirkungen auf den Bahnverkehr seien längst im Alltag der Menschen angekommen.
„Das zentrale Problem des Schienenersatzverkehrs ist weniger die Überlastung als vielmehr die Zuverlässigkeit. Fehlende Planbarkeit und wechselnde Fahrzeiten untergraben das Vertrauen in den öffentlichen Verkehr.“

„Was es jetzt braucht, ist vor allem eine dauerhaft gute und stabile Taktung der Busverkehre. Fahrgäste müssen sich darauf verlassen können, dass Verbindungen verlässlich und berechenbar funktionieren.“

Köngeter kritisiert die bisherige Praxis bei Baustellen und Streckensperrungen.
„Baustellen entlang einer Strecke sollten konsequent am Stück durchgeführt werden, statt den Betrieb immer wieder kurzfristig zu unterbrechen.“

„Lieber habe ich einen eingespielten, verlässlichen Ersatzverkehr über einen längeren Zeitraum als zwischendurch für wenige Wochen wieder einen eingeschränkten S Bahn Betrieb. Ständige Wechsel schaffen Unsicherheit und Frustration.“

Köngeter fordert klare politische Verantwortung.
„Bund und Land müssen hier endlich massiv unterstützen. Notwendig sind vor allem finanzielle Mittel, um dauerhaft stabile Ersatzverkehre sicherzustellen. Die Region darf mit den Folgen dieses Projekts nicht allein gelassen werden.“

Dazu gehöre ausdrücklich auch eine stärkere finanzielle Unterstützung für betroffene Kommunen und Verkehrsverbünde.

Andere Mobilitätsprojekte geraten in eine Sackgasse

Besonders kritisch bewertet Köngeter die Auswirkungen auf den ländlichen Raum.
„Während Stuttgart 21 immer neue Probleme produziert, geraten andere sinnvolle Mobilitätsprojekte unter Druck. Das Land hat Regionalbusverbindungen mit schnellem Takt gefördert, beispielsweise im Raum Welzheim.“

„Doch es bringt wenig, wenn Busse im 15 Minuten Takt zwischen ländlichem Raum und S Bahn Station fahren, die Bahn jedoch unzuverlässig ist oder nicht verfügbar ist.“

Die Folge sei eine gefährliche Fehlentwicklung.
„Die Förderung des ländlichen Raums läuft so in eine Sackgasse. Das darf nicht dazu führen, dass gut ausgebaute und eigentlich vorbildliche Anbindungen später wieder infrage gestellt oder reduziert werden.“

„Kein Fahrgast wird unter diesen Bedingungen ernsthaft auf den ÖPNV in Richtung Stuttgart umsteigen. Wer keine verlässliche Gesamtkette vorfindet, entscheidet sich zwangsläufig für das Auto.“

Oberirdische Gleise müssen als Absicherung erhalten bleiben

Köngeter spricht sich klar gegen einen vorschnellen Rückbau der bestehenden Infrastruktur aus.
„Eine nüchterne Betrachtung der aktuellen Lage führt zu einer eindeutigen Schlussfolgerung. Die oberirdischen Gleise müssen bleiben.“

„Ich halte es für zunehmend unrealistisch, dass der Tiefbahnhof allein den gesamten Verkehr dauerhaft zuverlässig abfertigen kann. Die bestehende Infrastruktur ist keine Altlast, sondern eine notwendige Absicherung.“

Stadtentwicklung braucht Realismus statt Wunschdenken

Auch die städtebaulichen Visionen sieht Köngeter kritisch.
„Ein neues Stadtviertel auf diesen Flächen sehe ich derzeit nicht. Stadtentwicklung darf nicht auf Wunschdenken basieren, sondern auf funktionierender und stabiler Verkehrsinfrastruktur.“

„Stuttgart 21 ist längst kein rein technisches Projekt mehr, sondern ein Lehrstück über Fehlentscheidungen. Jetzt geht es darum, das Beste aus der Situation zu machen.“

„Priorität müssen verlässliche Mobilität, stabile Verkehrsangebote und der Erhalt funktionierender Infrastruktur haben.“

Philip Köngeter
Landtagskandidat der Piratenpartei Baden-Württemberg