Die Piratenpartei Baden-Württemberg kritisiert die von Cem Özdemir angekündigten Pläne für ein generelles Handyverbot an allen Schulen im Land sowie seine Unterstützung für ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige. Die Piraten sehen darin vor allem Symbolpolitik, die weder pädagogisch noch praktisch überzeugt.
Vor allem sollten Schulen selbst entscheiden können, wie sie mit Smartphones umgehen. Die Piratenpartei Baden-Württemberg spricht sich dafür aus, dass Regeln zum Umgang mit digitalen Geräten vor Ort entwickelt werden. Dazu gehören Schulleitungen, Lehrkräfte, Schülervertretungen und Eltern. Diese Gruppen kennen die Situation an ihren Schulen am besten und können gemeinsam tragfähige Lösungen erarbeiten.
Gerade die Einbindung der Schülervertretungen ist dabei zentral. Wer junge Menschen zu verantwortungsvollem Umgang mit digitalen Geräten befähigen will, muss sie auch an den Regeln beteiligen. Demokratisch erarbeitete Schulordnungen fördern Verantwortungsbewusstsein und Akzeptanz deutlich stärker als pauschale Verbote.
Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler sowie Schulleitungen müssen gemeinsam an einem Strang ziehen, unterstützt von den Eltern. Nur so können Regeln entstehen, die im Schulalltag funktionieren und von der gesamten Schulgemeinschaft getragen werden. Vorgaben aus der Landespolitik greifen hier zu kurz und drangsalieren Schulen mit neuen Verboten, statt Vertrauen in die pädagogische Arbeit vor Ort zu setzen.
„Wenn es um den Umgang mit Smartphones an Schulen geht, sollten Schulen, Schülervertretungen, Lehrkräfte und Eltern gemeinsam Lösungen entwickeln. Ein Verbot aus Stuttgart hilft den Schulen vor Ort nicht weiter“, erklärt Philip Köngeter, Landtagskandidat der Piratenpartei Baden-Württemberg aus Backnang. „Wer junge Menschen zu verantwortungsvollem Umgang mit digitalen Medien befähigen will, muss ihnen auch zutrauen, an solchen Regeln mitzuwirken.“
Auch beim Thema Social Media sehen die Piraten einfache Verbotslösungen kritisch. Forschende warnen aktuell davor, staatliche Social-Media-Verbote für Jugendliche einzuführen, da solche Maßnahmen leicht umgangen werden können und junge Menschen dadurch eher in weniger regulierte digitale Räume ausweichen.
„Ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige klingt auf den ersten Blick einfach, wäre in der Praxis aber nur mit massiver Überwachung und komplexer Kontrollinfrastruktur durchsetzbar“, sagt Köngeter. „Dafür müssten Altersverifikationssysteme aufgebaut werden, die tief in die Privatsphäre eingreifen und ein Einfallstor für umfassende Internetkontrollen schaffen. Statt solche Kontrollstrukturen aufzubauen, sollten wir die Plattformen stärker in die Pflicht nehmen und Medienkompetenz fördern.“
Die Piratenpartei Baden-Württemberg fordert deshalb mehr Vertrauen in die Selbstorganisation der Schulen. Regeln für den Umgang mit Smartphones sollten von der jeweiligen Schulgemeinschaft entwickelt werden. Gleichzeitig braucht es eine bessere Medienbildung sowie eine konsequente Regulierung großer Plattformkonzerne statt pauschaler Verbotsforderungen.